Solidaritätswache vor der Osnabrücker Synagoge

Anja Sabel, 02.03.2026


Seit zwei Jahren ruft die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit an hohen jüdischen Festtagen dazu auf. Diesmal, am Abend des Festes Purim, war auch ich dabei. Einer meiner Schwerpunkte ist die interreligiöse Berichterstattung; ich kenne sowohl auf jüdischer als auch auf muslimischer Seite tolle und engagierte Menschen, deshalb habe ich mich gern für eine Stunde Wache einteilen lassen. 

Für die Sicherheit sorgt die Polizei. Dass sich Christen vor der Synagoge versammeln, hat eher symbolischen Charakter: sich solidarisch zu zeigen, ein Zeichen zu setzen gegen den stärker werdenden Antisemitismus, gegen die Bedrohung von Jüdinnen und Juden in Deutschland. Von jüdischer Seite wird das sehr geschätzt.

Purim ist ein fröhliches jüdisches Fest. Menschen verkleiden sich, essen Süßes, trinken Alkohol und beschenken Bedürftige. Auch die jüdische Gemeinde in Osnabrück feierte ausgelassen. Trotz der besorgniserregenden Lage im Nahen Osten. Mit kostümierten Kindern und Erwachsenen, mit dem Vorsitzenden Michael Grünberg im Bienenkostüm und Kantor Baruch Chauskin im gelb-schwarz-gestreiften Hummelkostüm.


Dabei hat Purim einen ernsten Hintergrund. Das biblische Buch Esther berichtet, dass Haman, Minister am Hof des persischen Königs, aus Rache alle Juden töten wollte. Königin Esther, die ihre jüdische Abstammung verborgen hielt, konnte dies jedoch verhindern. Der Name des Festes leitet sich ab von dem Wort "pur", das Los bedeutet: An einem durch ein Los bestimmten Tag sollten die Juden getötet werden. Das Buch Esther ist das einzige in der hebräischen Bibel, in dem Gott nicht erwähnt wird. Wenn an dem Fest in der Synagoge aus der Estherrolle gelesen wird, schlagen Kinder mit Rasseln Krach, sobald der Name des Judenfeindes Haman vorkommt. Wie das klingt? Michael Grünberg demonstrierte es draußen vor der Synagoge. 


Es war eine Solidaritätswache mit guten Gesprächen und dem ein oder anderen Gläschen Wodka und Likörwein, die herumgereicht wurden. Aber auch mit dem Gedanken: Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass unsere jüdischen Mitmenschen sich ohne Angst versammeln und Gottesdienst feiern können. So wie wir Christen gefahrlos eine Kirche betreten können. 


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