Erinnerung der Redakteurin Astrid Fleute

Trotzdem. Dieses eine Wort setzte Karl Meist unter jedes seiner handgeschnitzten Werke. Acht Buchstaben, die alles sagten: „Trotzdem ich nur noch fünf Finger habe, kann ich solche Dinge schnitzen. Trotzdem ich so viel durchgemacht habe, genieße ich heute das Leben." So erklärte er es mir, als ich ihn im Mai 1993 für den Kirchenboten besuchte.

Ich war jung, und ich war beeindruckt. Über 200 Holzfiguren hatte Karl Meist auf seine ganz eigene Art geschnitzt: den Holzklotz zwischen den Knien, das Werkzeug in der einen verbliebenen Hand. Das Leben hatte ihn nicht geschont — 1942 verlor er bei einem Bombenangriff in Russland seinen Arm, kämpfte sich durch Krankheiten, pflegte elf Jahre lang seine Frau, trug Verluste. Und doch: Er gab nie auf, verlor nie die Hoffnung. Das Schnitzen machte ihn sogar erfolgreich — eine seiner Madonnen steht im Kleinformat im Kapitol in Washington. Sein schlichter Kommentar dazu: „Ich bin nicht stolz, sondern glücklich."


Diese Begegnung hat mich lange nicht losgelassen. Auch ganz konkret erinnere ich mich heute noch an Karl Meist: Am Ende unseres Termins schenkte er mir eine Heiligenfigur. Ich halte sie in Ehren.

Solche Momente sind es, die meinen Beruf für mich jeden Tag besonders machen. Begegnungen mit Menschen, die für ihre Überzeugungen einstehen. Die Ideen haben, nicht aufgeben, ihr Leben und ihren Glauben gestalten - oft genug auch gegen Widerstände. In 33 Jahren beim Kirchenboten habe ich viele von ihnen getroffen, neugierig hinter viele Türen geschaut, kritisch nachgefragt, viele Projekte im Bistum begleitet. 

Und das strahlt aus. Immer wieder. Vor ein paar Jahren sollte ich über die Anschaffung verschiedener Senioren-Rikschas der Caritas Nordkreispflege berichten. Bei dem Termin in Bersenbrück durfte ich eine Probefahrt machen – und war sofort begeistert. Was für eine tolle Möglichkeit für Senioren, wieder mobil zu sein, sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen! Ich erzählte davon in meiner eigenen Caritasgruppe. Das Interesse war groß. Heute, zwei Jahre später, fahren wir dank vieler Spender und Anpacker mit einer eigenen Rikscha glückliche Senioren durch Osnabrück.


Astrid Fleute (54) stammt aus Wildeshausen und ist seit 1993 für den Kirchenboten tätig. Ihre Ausbildung zur Redakteurin erlebte sie in der Vechtaer Redaktion der Zeitung Kirche+Leben.