„Kommt der Papst herein und sagt ‚Guten Tag‘.“ Das klingt wie der Anfang eines Witzes, ist mir aber so passiert. Nicht „Salvete“, „Buongiorno“ oder „Hello“ wählte Leo XIV., ein „Guten Tag“ tut es auch, fand er. So normal, und doch so surreal. Zur Audienz mit dem Heiligen Vater kam es während unseres Betriebsausflugs im Januar nach Rom zum 100. Geburtstag des Kirchenboten.
Auf dem Weg durch den apostolischen Palast zweifelte ich kurz: Welche Zahl war es doch gleich? Nervös googelte ich: „Papst“ und interpretierte die römischen Zahlen in der Aufregung falsch. Für mich war es kurz Leo XVI., bis eine Kollegin die Zahlen korrekt las. Unser Warteraum war der Saal, in dem Papst Benedikt XVI. vor den versammelten Kardinälen seinen Rücktritt erklärte. Ein Orte, an dem sich Geschichte ereignete.
Die Begegnung war für mich völlig bizarr. Eine Frage, die wir uns beim Warten gestellt haben: Was sagt man dem Papst beim Händedruck? Den eigenen Namen? Seine Position? Fragt Leo XIV. einen etwas? Muss man sich vorbereiten, vielleicht ein paar Worte Latein lernen? Ich habe mich für „Thank you“ entschieden. Das passt immer und geht leicht über die Lippen.
Trotz prunkvoller Umgebung voller Mosaike, Wandteppiche und Statuen wirkte Papst Leo sehr zugewandt und nahbar. Als unser Chefredakteur von der Arbeit des Kirchenboten erzählte, hörte er aufmerksam zu, nickte. Kein Smaltalk-Nicken, nein, ich bin mir sicher: Es war echt.
Wirklich verarbeitet habe ich das Treffen längst noch nicht. Der Papst hat „Guten Tag“ gesagt. Und es war schön.
Anton Kensbock (19) stammt aus Berlin und ist seit Oktober 2025 Volontär, er lernt also das Handwerkszeug des Journalisten.