Es war ein aufregender Tag, einer der spannendsten meines Journalisten-Lebens – obwohl ich damals noch Schüler war und ein halbes Jahr vor dem Abitur stand. In einem Presseseminar hatte ich Grundkenntnisse im Schreiben und Fotografieren gelernt und berichtete danach als freier Mitarbeiter für den „Kirchenboten“. Der damalige Chefredakteur Ewald Hundrup fragte mich, ob ich Fotos vom Papstbesuch in Osnabrück machen könnte. Natürlich sagte ich sofort zu.
Tausende strömten aus den Sonderzügen
Meine erste Station war an diesem Sonntagmorgen der Osnabrücker Hauptbahnhof. Mit Spiegelreflex-Kamera und Blitzlicht hielt ich fest, wie Tausende Gläubige aus Sonderzügen strömten, etwa aus Goldenstedt bei Vechta oder aus Cloppenburg. Das weiß ich heute, weil ich die Metallschilder an den Waggons fotografiert habe. „St. Josef Cloppenburg grüßt Johannes Paul II.“ stand auf einem Schild. Ein Zeitungsverkäufer in weißer Jacke bot die „Bild am Sonntag“ mit der Titelzeile „380.000 jubelten dem Heiligen Vater zu“ an. Papst-Büsten und Spiegel mit dem Porträt Johannes Pauls II. wurden in der Innenstadt angeboten.
Auf dem Sportplatz an der Illoshöhe in der Weststadt harrten vor dem Gottesdienst Zehntausende stundenlang bei strömendem Regen aus, unter Schirmen, in Kapuzenjacken und Ostfriesennerzen. In der Menge fiel ein Transparent mit der lateinischen Aufschrift „Totus tuus“ (Ganz dein) auf, dem persönlichen Motto von Johannes Paul II. Alle Blicke richteten sich auf den großen Altaraufbau mit einem mehr als mannshohen Papstwappen. Dort durften wir Bildberichterstatter uns bewegen.
Warten auf den Papstbesuch im Dom
Nach dem Gottesdienst fuhr Johannes Paul II. zum Mittagessen zum Bischofshaus. Für mich hieß das: warten bis zu seinem Besuch im Dom. Im Gedränge war es schwierig, den prominenten Gast gut ins Bild zu bekommen. Viele der Aufnahmen – körnige, teils unscharfe Schwarzweiß-Fotos – würde heute wohl keine Zeitung mehr drucken. Damals galten andere Maßstäbe an die Bildqualität, weil die technischen Möglichkeiten vor 46 Jahren deutlich begrenzter waren als heute, wo jedes Handy-Foto leichter zu knipsen ist. An meiner analogen Nikon musste ich die Entfernung, Blende und Belichtungszeit noch von Hand einstellen.
Trotzdem sind mir vor dem Domportal einige scharfe, ansprechende Bilder vom Papst gelungen. Von der Innenstadt fuhr der Johannes Paul II. anschließend zum Weiterflug zum Sportplatz in der Wüste, ständig grüßend aus einem Papamobil, einem Mercedes, Kennzeichen S-EA 1552. Ein Motorradkorso führte den Konvoi an. Wir Fotografen standen in einem offenen Wagen davor und blickten auf die Menschenmenge an der Martinistraße, in die sich Polizisten mit weißen Mützen und Ledermänteln gemischt hatten.
Bilder aus nächster Nähe
Bevor der Papst den Helikopter bestieg, winkte er den Anwesenden noch einmal zu, darunter dem Osnabrück Bischof Helmut Hermann Wittler. Diesmal hatte ich Gelegenheit, den Papst ungestört aus nächster Nähe zu fotografieren und drückte so oft wie möglich auf den Auslöser. Nach jedem Bild musste ich den Spannhebel betätigen, nach 36 Aufnahmen tat mir der Daumen weh. Aber die Fotos waren im Kasten. Später schmückten sie die Rückseite der „Kibo“-Ausgabe.
Am Montag entwickelte ich nach der Schule am Nachmittag die Negativfilme der Marke Ilford HP5 und arbeitete anschließend bei Rotlicht die Papierbilder aus. Als Dunkelkammer diente der Heizungskeller meiner Eltern. Für die Bilder und für die Fahrschule war Zeit – für die Hausaufgaben reichte es nicht mehr. Das fiel meinem Lateinlehrer Tag danach prompt auf. „Bei nächsten Mal bist Du dran“, kündigte er an. Im Grunde hatte er Recht. Doch an diesem besonderen Tag hatten die Fotos für den „Kirchenboten“ Vorrang. Diese Entscheidung würde ich auch heute wieder genauso treffen.
Als freier Mitarbeiter begleitete Christof Haverkamp am 16. November 1980 für den „Kirchenboten“ den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Osnabrück mit der Kamera. Heute arbeitet er als Pressesprecher des Katholischen Gemeindeverbandes in Bremen und als Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen. An den ersten Besuch eines Papstes im Bistum Osnabrück erinnert er sich auch dank seiner Schwarzweiß-Bilder noch gut.